Mit Miklós in der finnischen Hauptstadt Helsinki

Kira in Finnland © M. GeyerAnfang Juni durfte ich Miklós zu einer tollen Konferenz in die Hauptstadt von Finnland begleiten. Einmal im Jahr treffen sich bei der ECIC Christen aus ganz Europa. Jedesmal in einer anderen europäischen Stadt. Bei diesen Treffen tauscht man sich aus und überlegt gemeinsam, wie man das Internet für den christlichen Glauben nutzen kann. Diesmal also Helsinki. Ich durfte ausnahmsweise mitreisen, weil sich das Thema rund ums Spielen drehte: Miklós und ich haben meine Seite www.kirche-entdecken.de und unser Spiel Martin Luthers Abenteuer vorgestellt. Da war ich ganz schön aufgeregt. Aber Miklós hat das ganz toll gemacht und ich glaube, den Leuten hat es echt gut gefallen. Puh!
Dann haben Miklós und ich uns die Stadt angeguckt und dabei zwei ganz besondere Kirchen entdeckt.

Ein Fels soll meine Kirche sein

Felsenkirche Helsinki © M. GeyerDas Besondere an der Temppeliaukio-Kirche ist, dass der Innenraum der Kirche in einen zwölf Meter hohen Granitfelsen gebaut wurde. Die Wände sind nicht verputzt und sind aus nacktem Fels. Das hat mich direkt an das erinnert, was Jesus zu Petrus gesagt hat: " Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich bauen meine Gemeinde." (Matthaeus 16.)

Felsenkirche Helsinki © M. GeyerAus 180 schmale Fenstern kommt Tageslicht in den Raum. Darüber ruht eine große wunderschöne Kuppel aus Kupfer und Glas.
Die schroffen Felsen und das zauberhafte Licht machen die Felsenkirche zu einem wunderbaren Ort der Stille und des Friedens.

Felsenkirche Helsinki © M. Geyer



Man fühlt sich fast ein bisschen wie in einer großen alten Höhle.

Eine orthodoxe Kathedrale

Die Uspenski-Kathedrale ist eine orthodoxe Kirche. Du fragst dich bestimmt genau wie ich, was das eigentlich bedeutet, "orthodox"? Das Wort kommt aus dem Griechischen und bedeutet übersetzt "die rechte Lehre Gottes". Uspenski-Kathedrale © M. Geyer

Die Kirchen der orthodoxen Christenheit, der - so die deutsche Übersetzung - rechtgläubigen Kirchen, sind v. a. in Osteuropa und dem vorderen und mittleren Orient verbreitet,

In der Geschichte des Christentums kam es immer wieder zu unterschiedlichen Ansichten und Streit. Streit im Glauben, Streit um Macht und Streit zwischen Ost und West im riesigen römischen Kaiserreich. Als dieses Reich sich teilte, wurden die Gegensätze zwischen der West- und der Ostkirche immer größer. Als Konstantinopel (heute Istanbul) die Hauptstadt des römischen Reiches wurde, wollte es die gleichen Rechte wie Rom. Man wollte sich vom Papst nichts mehr vorschreiben lassen und über seine eigene Kirche bestimmen. Dafür hatte man einen Patriarchen. Irgendwann wurde es dem Papst zu bunt und er schmiss den Patriarchen aus seiner Kirche. So gab es schon ein paar hundert Jahre vor Martin Luther eine Spaltung (auch Griechisch = Schisma) in der christlichen Kirche.

er andere Grund für die zunehmende Entfremdung zwischen Ostkirche und dem Westen wurde gelegt mit der Teilung des Römischen Reiches, eingeleitet im Jahre 286. In der Folge wurde 330 Konstantinopel - das heutige Ístanbul - zur Hauptstadt des gesamten Reiches; das neue Rom beanspruchte nun die gleichen Rechte wie die alte Hauptstadt, das heißt auch die Oberhoheit über die Kirche. Mit zunehmender Heftigkeit wurde der Primat des Papstes abgelehnt. Ein vergleichsweise geringer Anlass führte schließlich dazu, dass der römische Papst 1054 den Patriarchen der Ostkirche exkommunizierte: die Kirchenspaltung war nun auch äußerlich vollzogen.

Die Orthodoxe Kirche Finnlands ist neben der Evangelisch-Lutherischen Kirche eine der beiden Volkskirchen in diesem Land.

Singend beten

Uspenski-Kathedrale © M. GeyerBesonders wichtig in der orthodoxen Kirche ist die Liturgie, die Gottesdienstordnung. Wichtig für diese Liturgie sind die Gesänge. Gesang ist Gebet. Und weil Instrumente nicht beten können, gibt es in einer orthodoxen Kirche keine Instrumente, nicht ein mal eine Orgel. Aber der Gesang ist wunderschön und festlich. Man kriegt ein richtig heiliges Gefühl. Die Priester tragen weite, bunte und mit Gold verzierte Gewänder. Besonders schön sind auch die Ikonen (Heiligenbilder), die eine Verbindung zwischen dem Heiligen auf dem Bild, dem, der es anschaut und Gott herstellen soll.  Da gab es soviel zum schauen, dass mir fast gar nicht aufgefallen wäre, dass so ein Gottesdienst viel viel länger dauert als bei uns. Nur der Weihrauchgeruch war mir als Elster etwas zu heftig. Und wie es die Gläubigen es schaffen, dass sie die ganze Zeit stehen müssen, ist mir ein Rätsel.

Weihnachten am 7. Januar?

Uspenski-Kathedrale © M. GeyerOstern ist das wichtigste Fest im orthodoxen Glauben und wird prächtig gefeiert. Denn in der orthodoxen Kirche steht weniger das Leiden Christi im Vordergrund, als der Triumph der österlichen Auferstehung.
Und warum wird Ostern dann in vielen orthodoxen Kirchen erst viel später gefeiert als bei uns?
Und auch Weihnachten wird in der orthodoxen Kirche eigentlich erst am 7. Januar gefeiert. Das würde ich vor lauter Ungeduld ja gar nicht aushalten! Die meisten dieser Kirchen verwenden nämlich noch das alte Julianische Kalendersystem von Julius Cäsar und nicht den Gregorianischen Kalender, der von Papst Gregor XIII. vor etwa fünfhundert Jahren bei uns eingeführt wurde. Zum Glück macht die Orthodoxe Kirche in Finnland da aber eine Ausnahme!

Maria ist entschlafen und nicht tot

Uspenski-Kathedrale © M. GeyerDer Name Uspenski-Kathedrale stammt aus dem Russischen und bedeutet Mariä-Entschlafens-Kathedrale. Der Name der Kirche erinnert an die Geschichte aus dem Orthodoxen Glaubensbuch, dass die Mutter Gottes – so wie Jesus – in den Himmel auffuhr. Deshalb spricht man von Entschlafung. Marias Entschlafung ist kein Tod, sondern nur ein Schlaf.
Die Kathedrale steht auf einem großen Felsen, ist aus roten Ziegelsteinen gebaut und hat ein grünes Kupferdach und 13 Kuppeln mit vergoldeten Spitzen. Sie ist die größte orthodoxe Kirche in ganz Westeuropa. Eine der in der Kathedrale ausgestellten Ikonen gilt als wundertätig. Und der prächtige mit vielen Mosaiken und Ikonen geschmückte Innenraum ist wirklich ein krasses Gegenprogramm zu den nackten Felswänden der Temppeliaukio-Kirche.

Nette zornige Vögel

Angry Birds Red, Stella und Hall © M. GeyerUnd dann durfte ich noch meine Vogel-Kollegen von den Angry Birds besuchen. Diese weltberühmten Spiele werden nämlich in Helsinki entwickelt. Ich war ehrlich gesagt ziemlich überrascht, denn die Angry Birds sind gar nicht so zornig. Zu mir waren sie sogar richtig nett. (Nur Schweine können sie halt nicht so gut leiden. Aber das ist ja auch kein Wunder, wenn die ihnen immer die Eier klauen. Das würde mich auch wütend machen.) Kira zu Besuch bei den Angry Birds © M. Geyer
Stella, Red und Hal und die anderen haben mich durch ihre Firma geführt und mir gezeigt, wo all die Ideen zu neuen Angry-Birds-Spielen entstehen. Das hat mich ziemlich beeindruckt. Besonders gefallen hat mir, dass das Team von Angry Birds sich mehr mit dem Thema, "wie kann Lernen Spaß machen" beschäftigen möchte. Da denken wir bei www.kirche-entdecken.de ja auch immer wieder drüber nach. Ich habe auch von unserem Spiel Martin Luthers Abenteuer erzählt und bin mal gespannt, wie den Kollegen das Spiel gefällt.
Am Ende des Besuchs hat mich Red noch zu seiner Lieblingslimonade eingeladen. Und dann hieß es schon wieder Abschied nehmen von Stella, Red, Matilda, Hal und all den anderen.

Kiitos! Oli mukava teidän kanssanne! - Danke! Es war schön bei euch!